
REISE | City-GuideCity-Guide BrüggeMittelalterlich, mystisch – und sehr, sehr sinnlich: Brügge im Winter hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Als hätte man eine Prise Pfeffer in heißen Kakao gestreut![]() Foto: Jan Darthet/Tourismus Brügge (2) Profanere – und sinnlichere – Plätze sind der Fischmarkt, wo seit jeher an mehreren Tagen der Woche frischer Fisch aus der Nordsee feilgeboten wird, und das „Vlissinghe“, eine der ältesten Kneipen der Stadt. Pieter Aspe – übrigens das Pseudonym von Pierre Aspeslag – bestellt sich hier mit Vorliebe einen Duvel, ein Glas kräftiges einheimisches Bier, das hervorragend zu flämischer Hausmannskost passt. Wenn er etwas Besonderes zu feiern hat, bucht er allerdings einen Tisch im Dreisternelokal „De Karmeliet“, dessen schlicht-elegantes Interieur auch schon auf dem Bildschirm verewigt wurde. Brügge machte übrigens schon einmal durch einen Romanschreiber von sich reden. 1892 beschrieb der Schriftsteller Georges Rodenbach in seinem Buch „Bruge-la-Morte“ seine Heimatstadt so packend als einen melancholisch-mysteriösen Ort, dass er jede Menge Reisende in die Stadt lockte – und damit Brügge von seiner jahrhundertelangen Bedeutungslosigkeit erlöste. Die Versandung seiner lebenswichtigen Verbindungskanäle zur Nordsee und die darauf folgende Verlegung des bis dahin wichtigsten Handelshafens Nordeuropas nach Antwerpen beziehungsweise Ostende waren fatal gewesen: Mitte des 16. Jahrhunderts verschwand Brügge von der Landkarte des wachsenden Welthandels, im 19. Jahrhundert war es endgültig verarmt. Was der Stadt blieb und was auch durch Kriege nicht zerstört wurde, ist das von vielen kleinen Kanälen und weitverzweigten Wasserstraßen durchzogene historische Herz mit seinen prachtvollen Bürgerhäusern, Handelskontoren und dem ehemaligen Wohnsitz des Kaufmanns Van der Beurse, an dem im 15. Jahrhundert die erste Börse der Welt gegründet wurde. Heute ist der gesamte Stadtkern mit seinen gewundenen, kopfsteingepflasterten Gassen Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Zu allen Jahreszeiten ist Brügge ein Erlebnis. Aber von Frühsommer bis Herbst ist es dann auch ein bisschen wie in Venedig: voll. Im Winter entfaltet es ein ganz besonderes Flair. Die Terrassen rund um den Großen Markt sind dann still, über den dunklen Kanälen tanzen Nebelschwaden und man hat den Eindruck, ganz Brügge hätte sich in die schönen alten Patrizier- häuser zurückgezogen. In den meisten Zimmern der kleinen kuscheligen Boutique-Hotels brennen Kaminfeuer. Was einen vor die Tür treibt? Die Neugier auf wunderschöne alte Kirchen, lange Spaziergänge entlang der Kanäle, die Lust auf eine Portion dampfender Muscheln mit Fritten, ein erlesenes Brugse Zot (ein besonderes belgisches Bier). Und – ganz wichtig für Naschkatzen – ein ausgedehnter Shopping-Marathon durch die besten Schokoladenläden der Welt.
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BRÜGGE – CHARME UND SCHOKOLADE
Spätestens seit die Krimireihe „Pieter Aspe – Mord in Brügge“ über die deutschen Bildschirme flackerte, kennt man ihn auch bei uns: den flämischen Kommissar Pieter van In – Ermittler im beschaulichen Brügge, hinter dessen mittelalterlichen Fassaden geheimnis- volle Machenschaften passieren. Pieter Aspe, Autor von 25 Kriminalromanen und geistiger Vater von Pieter van In, sammelte viele seiner Buchideen als Concierge der von einer Brügger Bruderschaft bewachten Heilig-Blut-Kapelle. Hier wird eine Kristallkaraffe aufbewahrt, in der sich angeblich ein paar Blutstropfen von Jesus befinden. Ein mystischer Ort, der zweifellos die Fantasie anregt: Jedes Jahr pilgern Millionen Menschen hierher. Trotzdem ist die meistbesuchte Sehenswürdigkeit der Hauptstadt Westflanderns die Liebfrauenkirche mit Michelangelos berühmter „Brügger Madonna“.